Das SGO Solarscope entsteht (PST Mod)

Das kleine P.S.T. von Coronado ist schon ein schönes kleines Spielzeug zur Sonnenbeobachtung, allerdings ist seine Auflösung aufgrund der nur 40mm Öffnung nicht gerade groß und Photographieren geht mit dem kurzen Focus-Bereich auch nur bedingt. Doch Dank der Ideen und Anregungen aus dem Astrotreff kann man das ja ändern.

! Sonnenbeobachtung ist gefährlich und kann bei unsachgemäßer Nutzung von Filtern das Augenlicht kosten!

Dieser Bericht beschreibt meinen Umbau, Nachahmung geschieht auf eigene Gefahr und ich übernehme für etwaige Schäden keine Haftung!

Der Refraktor:

solarscope-goldZuerst mal muss ein Refraktor mit 2″-Okularauszug her, da ja nur in einer Wellenlänge beobachtet wird, reicht ein Fraunhofer-Achromat (2 Linser mit Farbfehler) hier völlig aus. Das P.S.T. und sein Etalon benötigen ein Öffnungsverhältnis von F/10, damit der Strahlengang beim Filterdurchgang passt. Ich habe günstig einen Skywatcher 120/1000 Achromaten ergattert, um auf F/10 zu kommen, wird er auf 100mm Öffnung abgeblendet.

Das P.S.T. und seine Blackbox benötigen ca. 24cm Lichtweg zum Fokussieren. Soweit kommt man mit dem Okularauszug nicht in den Fokus. Also muss der Tubus gekürzt werden. Ich habe mich, nach dem Durchforsten des Astrotreffs für eine Kürzung um 8cm entschieden. Das Kürzen geht sicher und ohne großen Aufwand (wenn auch mit nicht unerheblich Muskelkraft 🙂 ) folgender Maßen:
Zuerst wird die Optik und der Okularauszug abmontiert. Dann wird eine Rohrschelle genau 8cm vom Tubusrand platziert (ich habe eine Schiebelehre verwendet, damit alles passt) und gut festgezogen. Vorher wurde die Schnittstelle noch mit einer Wicklung Tesa umklebt, damit der Lack nicht splittert. Dann mit einer Metall-Bügelsäge langsam immer an der Rohrschelle entlang und unter ständigem Drehen des Tubus Sägen. Bei mir war der Schnitt so gerade, dass nur noch etwas entgratet werden musste, kein Nachschleifen oder ähnliches. Dann noch die drei Löcher für die Befestigungsschrauben des Okularauszugs Bohren (am besten vorher mit Tesa abkleben, das schont den Lack!), fertig! Der Fokus hat so noch eine Reserve von ca. 1-1,5 cm nach Innen, das passt perfekt.

Da der originale Okularsuszug ein fürchterlicher Wackeldackel ist, ein Austausch mir aber bisher zu teuer war, habe ich einen Fokusmotor installiert, damit geht das Fokussieren ganz gut. Shifting ist natürlich trotzdem vorhanden.

Um die Aufwärmung und damit das Tubusseeing zu reduzieren wurde dar Tubus mit goldener DC-Fix-Folie überzogen. Warum Gold? Es war im Angebot und sieht gut aus 🙂

Das P.S.T von Coronado:

Das P.S.T. besteht in der aktuellen Version aus 6 Teilen: der Frontlinse, einem 2″ Messingrohr, dem Etalon mit Vertellring, dem „schwarzen Kasten“ mit Focuseinheit und Pentaprisma, dem kleinen ITF-Filter und dem 5mm Blockfilter. Normalerweise schraubt man das Messingrohr samt Frontlinse vom Etalon ab und ersetzt es durch einen 2″-Adapter. Das Ding ist aber wohl mit Loctite verklebt und war nicht zu lösen (und kaputtmachen wollte ich ja auch nichts!). Also folgende Lösung: Es kommt nur die Frontlinse ab und das ganze Rohr wie es ist wird in den Okularauszug des [wikipop language=“de“]Refraktors[/wikipop] geschoben. Damit das Messingrohr nicht verkratzt, wurden zwei Ringe aus Velourfolie aufgeklebt.
Inzwischen wurde beim P.S.T. der Drehring für das H-alpha-Finetuning entfernt. So erhält man mehr Freiheitsgrade beim Verkippen des Etalon. Die Verstellung erfolgt bei mir daheim jetzt mit einem kleinen Schraubenzieher, unterwegs wieder über den Stellring. Diese kleine Maßnahme verbessert die Ausleuchtung und die Homogenität des H-Alpha-Lichts erheblich. (vielen Dank an Oliver Smie von Beloptik für den Tipp!)

Der Energieschutzfilter

Die Kombination aus Etalon, dem kleinen ITF und dem Blockfilter des P.S.T reicht bei einem Umbau auf eine größere Öffnung nicht aus, die gefährliche UV- und Infrarot-Strahlung vom Auge fernzuhalten. Außerdem altert der Etalon schneller, wenn er die volle Ladung Sonnenenergie abbekommt.
Der 105mm C-ERF  kam ohne Fassung, also habe ich, ähnlich wie beim Sonnenfilter, mit der Fräse 3 Ringe gefräst: einen vorderen Ring aus 4mm Papelsperrholz mit 100mm Durchlass, einen mittleren Ring aus 4mm Sperrholz (genau die Dicke des Filters) mit 106mm Durchlass, in dem der Filter spannungsfrei liegt. Er wird mit Fensterband leicht fixiert. Der dritte Ring wurde aus 18mm Buchesperrholz gefräst, wieder mit 100mm Durchlass. Auf der Rückseite bekam er eine passende Nut verpasst, die sehr stramm auf die Taukappe des Refraktors passt. Die drei Ringe wurden mit vier Schrauben fest verbunden. Fertig ist der Filter!

Um sicher zu gehen, das der ERF UV dicht ist, habe ich mir beim Optiker (vielen Dank an Sehform Landsberg!) ein selbst tönendes Brillenglas besorgt und für eine halbe Stunde direkt in den Strahlengang gehängt (ohne PST-Ansatz). Das Ergebnis nicht die geringste Tönung zu erkennen (in der Sonne wurde es in nur 10 Sekunden dunkel 🙂 ).

Der Große Vorteil dieser Art von PST Umbau ist der schnelle Wechsel: Frontlinse des PST abschrauben, das PST in den Okularauszug des Refraktors und schon ist das 100mm H-alpha-Teleskop einsatzbereit. Rausziehen, Linse aufschrauben und schon ist das PST wieder so wie es bei Kauf war verwendbar!

Das Solarscope im Einsatz:

Das Solarscope hat nun schon etliche Stunden Sonnenlicht gesammelt. Seit 2013 wird es bei der öffentlichen Sonnenbeobachtung beim Astrotag eingesetzt und inzwischen dürften ein paar hundert Interessierte Laien damit die Sonne in h-alpha beobachtet haben.

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Auch beim BTM in Pfünz 2014 wurde interessiert durch das Solarscope geschaut und mit anderen Sonnenteleskopen verglichen. Es zeigte sich, dass sich das Solarscope nicht vor der deutlich teueren kommerziellen Konkurrenz verstecken braucht!

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Oliver Smie von Beloptic testet das Solarscope…

2015 schließlich kam es bei der Sonnenfinsternis zum Einsatz und war selbstverständlich auf dem ITV dabei, wo unter den Selbstbauten prämiert wurde!

AstrotreffITV-01-Preisverleihung

 

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