Mission roter Mond: die Mondfinsternis 2019

Die Mondfinsternis -Expedition nach Südtirol

Eine Mondfinsternis steht an und alle Wettervorhersagen stehen auf schlecht! Was macht da der Astronom – etwa im Bett bleiben und 10 Jahre warten? Nein, das kommt nicht in Frage! Also Sachen packen und auf geht’s zur großen Mondfinsternis-Expedition!

Lange Planung und ein holpriger Start

Wo sollte es am Morgen des 21. schönes Wetter geben? Nach intensiver Befragung diverser Orakel und Wetterhellseher im Internet gab es eigentlich nur einen Ort, der erreichbar ist und vernünftiges Wetter haben sollte: Südtirol. Die Platzauswahl war da schon das größere Problem: freie Sicht nach Nord-Westen, ausreichend hoch, um Nebel sich zu sein und natürlich mit dem Auto erreichbar. Dank Google Maps und TPE konnte ich einen Platz ausmachen: Die Seiser Alm am Fuße des Schlern.
Auch Adam von Sternenhimmel-fotografieren.de konnte ich kurzfristig überreden und so machten wir aus, dass wir uns am Vorabend der Finsternis auf der Seiser Alm treffen und einen geeigneten Platz suchen würden.

Um 11 Uhr wollte ich Richtung Südtirol starten, nur mein Auto hatte andere Pläne: Es war ihm einfach zu kalt und Lust hatte es wohl auch nicht, also verweigerte es kurzer Hand den Motorstart. Ich hätte mich wohl doch früher um die Glühkerzen kümmern sollen! Nach vielen Startversuchen, etwas Power aus dem Batterieladegerät konnte es dann aber mit einer Stunde Verspätung doch losgehen…

St. Andreas, Etting (bei Weilheim)

Ein toller Platz und eisige Temperaturen

Auf der Seiser Alm angekommen, zeigte sich gleich, das ist der perfekte Platz für die Mondfinsternis! Nur das Thermometer lies Schlimmes ahnen: schon um 18:00 Uhr zeigte es -10°C….

Blick von der Seiser Alm nach Westen, link die Santner Spitze des Schlern

Schon nach knapp einer Stunde waren die Füße durchgefroren und wollten nicht mehr warm werden (trotz meiner guten Winterschuhe!). Und wenn das Auto schon bei -8° streikt, was ist dann erst morgen früh bei unter 10°C? Als sollte der Sternwartenanhänger schon mal den Mofi-Platz bewachen, während ich die im Mondlicht strahlenden Dolomiten erkunde!

Dolomiten im Mondlicht

Die Route stand schon bald fest: Über Kastelruth ins Grödner Tal und dann die Sella-Runde abfahren: Einmal rund um des Sellastock, macht 5 Pässe und hoffentlich viele schöne Ausblicke! Der erste Stopp war dann auch schnell gefunden, etwas oberhalb von Kastelruth:

Blick über St. Michael nach Kastelruth

So eine Vollmondnacht hat schon was – klar Deep Sky geht da nicht, aber diese Landschaft in den Bergen mit dem Mondlicht ist sehr beeindruckend!
Weiter ging die Fahrt hinunter ins Grödner Tal:

Wolkenstein im Grödnertal

Nach jedem Fotostopp hieß es erstmal die schmerzenden Finger wärmen, bevor es weitergehen konnte. Die Kälte ist richtig bissig in dieser Nacht. Die Fahrt geht weiter hinauf auf 2240m: Das Jeuf de sela oder Sellajoch mit Blick auf die Spitzen der Langkofelgruppe, dem „langen Stein“…

Langkofelgruppo (Sassolungo)
Blick auf die Marmolata (links) und den Rosengarten ( Catinaccio )

Auf schneebedeckter Fahrbahn geht es bergab – nein hier hat es nicht geschneit, die Schneekanonen können hier nur nicht gescheit zielen! :-).
Weiter geht die nächtliche Fahrt bei inzwischen -13°C hinauf aufs stark verschneite Pordoijoch (2239m) und über Arraba Richtung Cortina. Dort hat mich ein Schild auf die Schloßruine Buchenstein, laddinisch Andrac aufmerksam gemacht. Eine spannende Straße, schneebedeckt und nur schlecht befestigt führt in Serpentinen berg ab und nach einen Kurve steht man vor der Schloßruine…

Schloß Buchenstein

Fast tausend Jahre bewachte dieses Schloß und sein Hauptmann die Strada della Vena, eine wichtige Route für Eisenerz, das nach Venedig geliefert wurde…

In dieser Nacht bewache nur ich die alte Festung, fast genauso kalt wie die Eiszapfen gegenüber…

Ich hab dann im Wald oberhalb des Schlosses noch nach einem Cache gesucht (GCYWP7), aber er ist wohl unterm Schnee zu gut verborgen. Nur einen alten Stollenrest an der Strada de la Vena war zu finden.

Inzwischen ist Mitternacht und es wird langsam Zeit, auf die Seiser Alm zurück zu fahren – schließlich wartet die Mondfinsternis bekanntlich nicht :-)! Also zurück Richtung Arraba…

Blick Richtung Monte Civetta (links)

Zwei Pässe liegen noch vor mir vor der Mondfinsternis: Über den Passo Campolongo geht es hinunter nach Corvara in Badia…

Corvara mit dem Sass da Ciampac (links) und dem Sassongher (rechts)

und dann ein letztes Mal hinauf aufs Grödner Joch (2121m). Hier gibt’s noch Mal einen grandiosen Blick auf den Langkofel…

Sellatürme (links) und Langkofel (Sassolungo)

Es ist jetzt 2 Uhr und Adam hat schon Sorge, ich komme nicht mehr rechtzeitig! Also jetzt schleunigst hinauf auf die Seiser Alm. Ob die kleine Wetterhexe uns eine so tolle Nacht beschert hat?

Die Mondfinsternis beginnt

Es ist jetzt 3:00 Uhr und es wird Zeit, die Teleskope aufzubauen und auf den Mond zu richten. Bei -12° C ist das keine Kleinigkeit, die Hände schmerzen und die Füsse sind taub, aber egal! Gleich geht es los….

Der Höhepunkt ist fast erreicht. Es ist eiskalt und immer mehr Sterne werden sichtbar. Die Seiser Alm ist sicher auch ein toller Ort für Milchstraße und Deep Sky! Es ist ein toller Anblick, der rote Mond über der verschneiten Landschaft…

Dann ist der Höhepunkt erreicht, es ist 6:14 Uhr und der Mond ist genau in der Mitte des Erdschattens…

Dann ist das Spektakel auch schon vorbei. Die Dämmerung erhellt die Seiser Alm und unsere improvisierte Mofi-Sternwarte…

Doch das Mondspektakel ist noch nicht vorbei, die Seiser Alm präsentiert uns noch einen grandiosen Monduntergang…

Der Mond versinkt genau zwischen 2 Berggipfeln, der Hochweiße (Texelgruppe, links) und der Karlesspitze (Ötztaler Alpen,rechts), also ganz nahe an meinem Herbstbeobachtungsplatz auf dem Tiefenbachferner! (Warum erinnert mich der Anblick nur an Pack Man? 🙂 )

Das Ende einer tollen Nacht…

Das war es also, eine tolle Nacht liegt hinter uns, die Glieder steif gefroren (Danke an Adam für Kaffee und Schuhwärmer 🙂 ). Bis zur nächsten gut beobachtbaren Mondfinsternis müssen wir jetzt 10 Jahre warten, die wird dann aber etwas Besonderes: eine Silvester-Mondfinsternis im Jahr 2028!
Bis dahin haben wir die Eindrücke dieser Nacht, die ich sicher so schnell nicht vergessen werde. Ist es verrückt einfach mal über 300km zu fahren, durch 2 Länder und quer über den Alpenhauptkamm um eine Nacht lang bei Eiseskälte in den Himmel zu gucken? Ja sicher, aber es lohnt sich und ich würde es jederzeit wieder machen!

Jetzt noch alles verpacken, das Eis aus dem Bart kratzen und überlassen wir die Seiser Alm den Skifahrern. Bevor es nach Hause geht, besuche ich noch kurz meinen „Hausberg“, den Ritten, da gibt es nicht nur viele Kindheitserinnerungen für mich sondern auch einen schönen Blick zurück auf die Seiser Alm…

Seiser Alm mit Langkofel (ganz links), Plattkofel (links) und Marmolata (rechts der Bildmitte)
Unser Beobachtungsplatz ist hier etwas verdeckt dirkt unterhalb des Plattkofels

So jetzt noch eine angemessene Stärkung vor der Heimfahrt: Das ist die originale Südtiroler Sterngucker Diät 🙂

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