Milchstraße und nackte Pilze

Mitten in der Corona-Sperre ist schönstes Astrowetter und keine Möglichkeit, in die Berge zu kommen. Also heißt es in der Nähe bleiben und trotz voralpenländischer Lichtverschmutzung wenigstens ein wenig Sternenlicht einzufangen. 
Da jetzt auch die Zeit für die erste Milchstraße des Jahres gekommen ist, hab ich mich gegen Mitternacht aufgemacht, um die Milchstraße über der Erdfunkstelle Raisting zu fotografieren.

Die nackte Antenne

Das Radom ist bekanntlich das Wahrzeichen der Erdfunkstelle Raisting und als „Bovist“ bekannt. Am 28. Februar 2020 zerriss der Sturm Bianca die neue Traglufthülle. Seitdem steht die Antenne 1 ungeschützt und nackt in Raisting und macht diese „Aktfotografie“ möglich.

Die Geschichte des Bovist beginnt im Jahr 1963, als die Bundespost nach einem Standort für die erste Deutsche Erdfunkstation suchte. Der Ort war bald gefunden: die Senke von Raisting, wenig Störstrahlung also der perfekte Ort. 1964 ging sie dann in Betrieb, Deutschlands erste Satellitenverbindung, bei uns bekannt als der Bovist, die Antenne Nr. 1 in Raisting, das Radom.

1963 wurde die Hülle, geliefert vom U.S. Unternehmen Birdair, zum ersten Mal aufgeblasen, und am 9. Oktober 1964 wurde die erste Testsendung übertragen. Die erste echte Fernbsehübertragung via Satellit und über die Erdfunkstelle folgte am 20. Januar 1965: Die Amtseinführung von Präsident Johnson war die erste Fernsehübertragung, die über den Bovist erfolgte. Der Fernsprechbetrieb – so nannte man früher die Telefonie – begann am 28. Juni 1965 via Intelsat 1.

Bis zum Winter soll eine neue Hülle kommen, sollte dies nicht klappen, muss die Antenne teilweise demontiert werden und ein Notdach über der Anlage errichtet werden. Hoffen wir, dass das nicht notwendig wird!

Sternspuren

Während ich das Panorama- und das Aktbild der nackten Antenne fotografiert habe, wurde ein Kamera für Sternspuren platziert. Diese zusammenzusetzen war gar nicht so einfach: der hohe Grad der Lichtverschmutzung und die hellen Strahler an den Antennen machten hier doch ziemlich zu schaffen. Aber das Ergebnis ist doch trotzdem ganz ansehnlich?!

Panorama mit Milchstraße

Langsam steigt die Milchstraße höher und so war es Zeit für ein Pano des Milchstraßenbogens. Ich war übrigens nicht der Einzige, der sich hier nachts mit der Kamera rumtreibt 🙂

Die kleine Kirche ist die ehemalige Wallfahrtskirche St. Johannes der Täufer und wurde wohl um 1428 errichtet. Der Legende nach soll der Herzog Tassilo III. sich in der Region verirrt haben. Als man dann auf eine freie Fläche kam, von der aus man den Ammersee sehen konnte, beschloss Tassilo, an diesem Platz eine Kapelle errichten zu lassen. Der Altar wurde über der hier entspringenden Quelle errichtet. Der Beiname „auf Heiligenstätten“ hat sich im hiesigen Sprachgebrauch bis heute erhalten…

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